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Eine Frau im Rollstuhl in einem barrierefreien Wohnzimmer

Barrierefreies Wohnen soll insbesondere Menschen den Alltag erleichtern, die auf Hilfsmittel wie beispielsweise Rollstühle oder Gehhilfen angewiesen sind. Das Thema geht jedoch noch viel weiter. Hinter barrierefreiem Wohnen steht ein Konzept, das Lebensqualität, Unabhängigkeit und Komfort für alle Menschen unabhängig von ihrem Alter oder ihrer Mobilität verbessern kann. Wir erklären dir, was barrierefreies Wohnen genau umfasst und warum du dich möglichst frühzeitig mit dem Thema beschäftigten solltest.

Was bedeutet barrierefrei wohnen?

Mann im Rollstuhl stellt eine Schüssel auf einen Tisch

Barrierefreies Wohnen ist ein umfassendes Konzept. Es zielt darauf ab, Wohnräume so zu gestalten, dass sie von jedem Menschen sicher und selbstständig genutzt werden können – unabhängig von körperlichen Einschränkungen, Alter oder anderen Faktoren, die die Mobilität einer Person beeinflussen. Dabei geht Barrierefreiheit weit über die Installation eines Aufzugs oder das Entfernen einer Treppenstufe hinaus. So sind in einer barrierefreien Wohnung beispielsweise Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer ohne Schwellen erreichbar. Türen sind außerdem so breit, dass Rollstühle hindurch passen. Alle Bereiche sind gut ausgeleuchtet und Lichtschalter gut erreichbar.

Das Ziel all dieser Maßnahmen ist immer ein Wohnumfeld, das eine selbstständige Lebensführung ermöglicht und in dem Hindernisse sowie mögliche Unfallgefahren soweit wie möglich minimiert sind. Die offiziellen Vorgaben für Barrierefreiheit sind in der ÖNORM B 1600 festgelegt.

In der Norm sind verschiedene Voraussetzungen festgelegt, die erfüllt sein müssen, damit bestimmte Bereiche als barrierefrei gelten. Im Privatbereich sind diese Vorgaben für dich nicht zwingend bindend. Möchtest du für dich oder eine angehörige Person Wohnraumanpassungen vornehmen, empfehlen wir dir, dass du dich an den Vorgaben der Norm zumindest orientierst. Möchtest du Fördermittel für barrierefreies Wohnen beantragen, musst du die Vorgaben der Norm in der Regel erfüllen.

Für Mieterinnen und Mieter ist die ÖNORM B 1600 ein wichtiger Anhaltspunkt, wenn sie eine barrierefreie Wohnung suchen. Auch Handwerker können sich speziell für Umbaumaßnahmen nach der Norm qualifizieren und zertifizieren lassen. Bei entsprechend zertifizierten Handwerksbetrieben kannst du dich darauf verlassen, dass die Vorgaben der Norm bekannt sind und eingehalten werden.

Hinweis: Der Begriff „barrierefrei“ ist rechtlich genau definiert. Mitunter findest du in Wohnungsanzeigen auch Angaben wie „barrierearm“ oder „barrierereduziert“. In diesen Fällen werden in der Regel nicht alle Vorgaben für Barrierefreiheit eingehalten. Lass dir vom Vermieter anhand entsprechender Unterlagen belegen, dass die Wohnung tatsächlich den Vorgaben für Barrierefreiheit entspricht. Die ÖNORM B 1600 ist in diesen Fällen immer ein guter Anhaltspunkt.

Beim Thema Barrierefreiheit wird zwischen „barrierefrei“, „rollstuhlgerecht“ und „seniorengerecht“ unterschieden. Barrierefreiheit ist allgemeiner und weiter gefasst. „Rollstuhlgerecht“ und „seniorengerecht“ sind spezifischere Formen der Barrierefreiheit, die für die jeweilige Personengruppe besondere Faktoren berücksichtigen. Wichtige Kriterien für seniorengerechtes und rollstuhlgerechtes Wohnen sind zusätzlich in der ÖNORM B 1601 (Spezielle Baulichkeiten für behinderte und alte Menschen: Planungsgrundsätze) definiert.

Eine barrierefreie Wohnung ist daher nicht immer automatisch auch für Rollstuhlfahrer oder alte Menschen geeignet. In der Praxis ist eine barrierefreie Wohnung üblicherweise jedoch bereits sehr gut für ältere Menschen geeignet. Die exakten Unterscheidungen und damit gegebenenfalls verbundene Vorgaben zu den Wohnformen können im Zusammenhang mit Fördermitteln wichtig werden.

Gründe für barrierefreies Wohnen

Barrierefreies Bad

Häufig wird barrierefreies Wohnen mit speziellen Anpassungen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen in Verbindung gebracht. Mit zunehmendem Alter wird das Thema jedoch für nahezu alle Menschen relevant. Ein möglichst barrierefreies Wohnumfeld ist eine wichtige Voraussetzung, damit Menschen auch im Alter in ihrem eigenen Haus oder ihrer Wohnung und damit in einer vertrauten Umgebung leben können. Die Möglichkeit, sich in den eigenen vier Wänden frei und ohne fremde Hilfe bewegen zu können, steigert nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden. Eine barrierefreie Wohnraumanpassung ermöglicht es, alltägliche Aufgaben selbstständig zu bewältigen, was die Lebensqualität erheblich verbessert.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt. Barrierefreiheit bietet Wohnkomfort für alle Generationen, nicht nur für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Auch Familien mit kleinen Kindern, temporär verletzten Personen oder einfach Gäste profitieren von einer barrierefreien Umgebung.

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Kernaspekte der Barrierefreiheit

Barrierefreies Wohnen umfasst zahlreiche Aspekte verschiedener Wohnbereiche. Die wichtigsten Bereiche sind:

  • Mobilität: Zugänge zu Haus und Wohnung sollten ohne Stufen nutzbar sein. Ein Lift oder Aufzug kann hier Abhilfe schaffen. Alle Wohn- und Arbeitsbereiche sollten ausreichend Bewegungsflächen bieten, um sie auch mit Gehhilfen sowie Rollator oder auch als Rollstuhlfahrer nutzen zu können.

  • Hygiene: Alle sanitären Einrichtungen sollten sicher und gut zugänglich sein. Neben einer ebenerdigen Dusche sind rutschsichere Fliesen sehr wichtig.

  • Küche: Kücheneinrichtungen sollen sicher erreichbar und nutzbar sein.

  • Technik und Ausleuchtung: In einer barrierefreien Wohnung sollten alle Bereiche gut und gleichmäßig ausgeleuchtet sein, speziell im Eingangsbereich. Das vermeidet Unfälle und Desorientierung bei abnehmender Sehkraft.

Barrierefreie Zugänge und Türen

Ein barrierefreies Zuhause beginnt mit dem Zugang. Haus oder Wohnung sollten ohne Treppen erreichbar und der Eingang schwellenlos sein. So vermeidest du Stolperfallen und ermöglichst den eigenständigen Zugang für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Gehhilfen oder Kinderwagen. Für einzelne Stufen oder Schwellen können Rampen eine gute Lösung sein. Diese sollten eine Steigung von maximal 6 Prozent haben, 120 cm breit und rutschfest sein. Um in mehrgeschossigen Wohnhäusern die oberen Etagen zugänglich zu machen, können Aufzüge oder nachträglich am Treppengeländer installierte Treppenlifte eine gute Lösung sein.

Wichtig ist auch die Breite der Türen. Sie sollten in jedem Fall ausreichend Platz bieten, um auch mit Hilfsmitteln bequem hindurchzukommen. Türen gelten ab einer Breite von 80 cm als barrierefrei und ab 90 cm als rollstuhlgerecht. Griffe und Türklinken sind bei barrierefreien Türen auf einer Höhe von 80 bis 110 cm angebracht.

Technische Lösungen wie automatische Türöffner oder Türgriffe, die leicht zu greifen und zu bedienen sind, tragen maßgeblich zur Barrierefreiheit bei.

Barrierefreien Zugang mit Treppenliften ermöglichen

Treppenlift an Holztreppe

Für alte und mobilitätseingeschränkte Menschen sind Treppen eine große Hürde und ein enormes Sicherheitsrisiko. Wenn der Zugang zur Wohnung, dem Haus oder Teilen der Wohnung eine Hürde darstellt, kann dies dazu führen, dass sich Betroffene sozial isolieren, etwa weil sie den Weg nach draußen scheuen. Gerade in Bestandsbauten oder mehretagigen Wohnungen lassen sich Treppen oft nachträglich nicht mehr entfernen.

Eine gute und sichere Lösung, um Treppen speziell in Bestandsbauten zu überwinden, sind Treppenlifte. Das Grundprinzip ist dabei immer das Gleiche: Entlang des Treppengeländers wird eine stabile Führungsschiene installiert. Auf dieser Schiene fährt ein elektrisch angetriebener Sitz mit Rückenlehne, Fußbrett und Armlehnen nach oben und unten. Treppen lassen sich auf diese Weise sicher und komfortabel überwinden. Die Selbstständigkeit der nutzenden Personen bleibt auf diese Weise erhalten und die Lebensqualität steigt enorm. Der nachträgliche Einbau eines Treppenliftes ist in den meisten Fällen möglich und mit vergleichsweise geringem Aufwand machbar.

Wie können wir dir helfen?

Treppenlift mit Einbau

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Barrierefreie Küchengestaltung

Mann im Rollstuhl schiebt einen Gitterrost mit Brötchen in einen erhöhten Backofen

Eine barrierefreie Küche muss zwei zentrale Voraussetzungen erfüllen: Sie muss sicher und komfortabel sein. Das lässt sich durch verschiedene Maßnahmen erreichen. So sollten beispielsweise Arbeitsflächen mit Rollstuhl oder Rollator unterfahrbar und in der Höhe auf die Person ausgerichtet sein, die sie am meisten nutzt. Höhenverstellbare, unterfahrbare Arbeitsplatten und Schränke sind hier oft eine gute Lösung und ermöglichen es, die Küche an verschiedene Lebenssituation und Personen optimal anzupassen.

Konkrete Anforderungen an eine barrierefreie Küche sind unter anderem:

  • Bewegungsflächen vor Arbeitsflächen sollten 150 cm x 150 cm groß sein.

  • Unterfahrbare Bereiche sollten eine Höhe von 65 cm bis 70 cm und eine Tiefe von mindestens 50 cm haben.

  • Spüle, Herd und Arbeitsfläche sollten über Eck angeordnet sein.

  • Bodenbeläge sollten rutschhemmend sein.

  • Beleuchtung sollte so ausgerichtet sein, dass sie beim Kochen und Vorbereiten nicht blendet.

  • Schubladen und Schränke sollten gut zugänglich sein.

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Badezimmer barrierefrei gestalten

Barrierefreies Bad

Ein Badezimmer vollständig barrierefrei zu gestalten ist meist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Folgende Voraussetzungen muss ein barrierefreies Badezimmer erfüllen:

  • Es muss mit Toilette, Waschtisch und Dusche ausgestattet sein.

  • Die Bewegungsfläche muss 150 cm x 150 cm groß sein.

  • Die Dusche muss stufenlos befahrbar und rutschfest sein.

  • Die Toilette sollte eine Höhe von 46 cm bis 48 cm haben.

Eine Badewanne ist für ein barrierefreies Bad nicht zwingend erforderlich, aber durchaus empfehlenswert. Sie sollte für einen eventuellen Pflegefall mit einem Lifter ausgestattet werden können.

Nicht immer ist es möglich, ein Badezimmer kurzfristig vollständig barrierefrei zu machen. Nachträglich installierbare Haltegriffe in Duschen und Badewannen erhöhen die Sicherheit beim Ein- und Aussteigen und reduzieren so die Unfallgefahr im Bad deutlich. Mit Antirutschmatten lässt sich die Rutschgefahr ebenfalls erheblich reduzieren.

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Barrierefreie Wohn- und Schlafbereiche

Wohn- und Schlafbereiche lassen sich im Vergleich zu Küche und Bad meist vergleichsweise einfach barrierefrei gestalten. Wichtig ist hier in erster Linie, dass zwischen den Möbeln ausreichend Platz zur Verfügung steht. Teppiche sollten nicht überlappen, um Stolperfallen zu vermeiden. Sitzmöbel wie Sofa und Sessel sollten eine erhöhte Sitzfläche haben. Ebenso das Bett. Beim Aufstehen sollten Gesäß und Beine in einem 35° Winkel zueinander stehen. Gerade im Schlafzimmer sollten Lichtschalter gut erreichbar sein und das Licht beispielsweise vom Bett aus an- und ausschaltbar sein. Wie in allen anderen Bereichen sorgt auch in Wohn- und Schlafzimmer eine gute, gleichmäßige Ausleuchtung dafür, dass mögliche Gefahrenbereiche gut sichtbar sind. Die Unfallgefahr etwa durch Stolperfallen lässt sich bereits deutlich minimieren.

Erste Schritte zur barrierefreien Wohnung

Auf einem Grundriss liegen verschiedene Messwerkzeuge.

Eine Wohnung vollständig barrierefrei zu gestalten, erfordert zahlreiche kleinere und größere Anpassungen. Sollen diese Maßnahmen nachträglich umgesetzt werden, ergibt sich insgesamt ein recht großer Gesamtaufwand. Das gilt insbesondere, wenn viele Maßnahmen auf einmal umgesetzt werden müssen.

Mitunter lassen sich aber auch schon mit kleineren Einzelmaßnahmen kurzfristig gute Wirkungen erzielen. So können Haltegriffe und Antirutschmatten in der Dusche oder der Wanne die Unfallgefahr im Bad deutlich reduzieren und das persönliche Sicherheitsempfinden spürbar verbessern. Andere Anpassungen erfordern deutlich mehr Aufwand und mitunter sogar professionelle Unterstützung.

Sinnvoll ist es in jedem Fall, einzelne Bereiche der Wohnung bereits so früh wie möglich, am besten sogar beim Bau schon barrierefrei zu planen und möglichst viele Barrierereduzierungen vorzunehmen. Ist deine Wohnung oder dein Haus noch nicht barrierefrei, solltest du Renovierungen und größere Umbauten immer für weitere Barrierereduzierungen im jeweiligen Bereich nutzen. Das gilt insbesondere bei Umbauten in Küche und Bad. Renovierungen in diesen Bereichen sind meist recht umfangreich und erfolgen meist nur in sehr großen Zeitabständen. Von daher ist es sinnvoll, hier schon möglichst frühzeitig an barrierefreie Anpassungen zu denken.

Beratung und Förderung für barrierefreies Wohnen

Person mit Taschenrechner und diversen Unterlagen

Wer seine Wohnung barrierefrei gestalteten möchte, muss viele Dinge von der Planung, über Finanzierung bis hin zur Umsetzung beachten. Neben zahlreichen Informationsmöglichkeiten im Internet bietet beispielsweise der Verein für Barrierefreies Leben & Wohnen in Österreich österreichweit individuelle Beratung zu barrierefreiem Wohnen an.

Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit Anpassungen für barrierefreies Wohnen ist die Finanzierung geplanter oder erforderlicher Maßnahmen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten für eine Förderung oder Übernahme der Kosten:

  • Wohnbauförderungsstellen der Bundesländer

  • Sozialministeriumsservice

  • AUVA (Allgemeines Unfallversicherungsanstalt) – nach Arbeitsunfällen

FAQ – Fragen und Antworten zu barrierefreiem Wohnen

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