Ingwer anpflanzen und vermehren
Ingwer lässt sich sehr leicht aus seinem Rhizom vermehren. Dazu brichst du einfach im Frühling ein Stück des Rhizoms der Mutterpflanze ab und pflanzt es in Blumenerde ein. Worauf genau du beim Anpflanzen des Ingwers achten musst, erklären wir dir später. Zuerst schauen wir uns die Herkunft der Pflanze an, um mehr über ihre Standortbedürfnisse und die richtige Pflege herauszufinden.
Wo kommt Ingwer her?
Ingwergewächse (Zingiberaceae) bilden eine eigene Pflanzenfamilie, zu der auch Ingwer (Zingiber officinale) gehört. Allerdings ist mittlerweile nicht sicher nachvollziehbar, wo die Knollenpflanze ursprünglich heimisch war. Manche Experten verorten sie ursprünglich auf den Inseln im Pazifik.
Angebaut wird Ingwer heute überall im tropischen und subtropischen Asien, in Teilen Südamerikas und Afrikas und auf der Karibikinsel Jamaika. Wegen seines besonders starken Aromas wird Jamaika-Ingwer im Westen am meisten verkauft. Ingwer aus Nigeria besitzt dagegen eine außergewöhnliche Schärfe, gilt aber als aromaarm.
Das Wort „Ingwer“ stammt wohl aus dem Sanskrit und bedeutet „geweihförmig“. In der Tat sehen die Rhizome der Pflanze mit ihren verzweigten Knubbeln manchmal aus wie ein Geweih. Nur diese unterirdisch wachsenden Wurzelstöcke werden später genutzt. Sie lassen sich roh, als Pulver oder gekocht verarbeiten.
Als Heilpflanze war Ingwer bereits im alten China verbreitet. Schon der chinesische Philosoph Konfuzius soll sie gegen seine Reiseübelkeit eingenommen haben. Auch die ayurvedische Medizin setzt bei einer Vielzahl von Beschwerden auf Ingwer. In der ostasiatischen Küche sind die Knollen wegen ihrer fruchtigen Schärfe unverzichtbar.
Das typische Aroma entsteht durch die Scharfstoffe Gingerole und Shogaole. Außerdem beinhaltet die Pflanze Vitamin C, Magnesium, Eisen, Kalzium, Kalium, Natrium, Phosphor und ätherische Öle.
So sieht Ingwer aus

Ingwer blüht in leuchtendem Rot sehr auffällig und dekorativ. Die Blüte bildet sich allerdings nicht immer aus.
Aus seinen knollenartigen und fleischigen Rhizomen treibt der Ingwer buschige Triebe aus. Sie werden 60 cm bis 100 cm hoch. Aus ihnen wachsen die Blütenähren. Die Triebe sind einjährig.
Ingwer entwickelt schmales, rund 20 cm langes Laub. Es besitzt keinen Stiel und erinnert an die Blätter von Bambus.
Relativ unbekannt sind die dekorativen zapfenartigen Blütenstände des Ingwers. Sie bestehen aus grün-gelben Hochblättern mit zahlreichen Blüten aus Kelch- und Kronblättern. Die violetten Staubblätter duften süß. Die Blüte bildet sich jedoch nicht immer.
Werden die Blüten befruchtet, bilden sich fleischige, beerenartige Kapseln.
Standort und Substrat für Ingwer
Als Kind der Tropen gedeiht Ingwer an einem warmen, aber absonnigen Platz auf der Fensterbank am besten. Er benötigt nährstoff- und humusreiche Erde. Für die Drainage bringst du eine Schicht Blähton in den Topf ein.
Willst du Ingwer selbst im Topf anbauen, benötigst du ein 3 cm bis 5 cm langes Stück eines Rhizoms. Dieses kannst du einfach von einem gekauften Stück Ingwer abbrechen oder abschneiden. Lege es flach in einen mit Blumenerde gefüllten Pflanztopf und bedecke es ein wenig mit Erde. Das Ganze solltest du immer leicht feucht halten.
Den Topf deckst du mit einer Folienhaube ab. So hältst du die Luftfeuchtigkeit gleichmäßig hoch.
Ingwer richtig pflegen

Ein halbschattiger Platz ist ideal zum Austreiben des Ingwers. Danach setzt du die Pflanze an einen helleren Standort um.
Am besten treibt die Ingwerwurzel an einem halbschattigen Platz aus, an dem es wenigstens 20 °C warm ist. Pralle Sonne verträgt sie nicht.
Das Rhizom wird nach einigen Wochen eingewurzelt sein. Sobald ein Spross austreibt, stellst du die junge Pflanze an einen helleren Ort und entfernst die Folienhaube.
Der Wurzelballen darf auf keinen Fall austrocknen, sondern sollte immer leicht feucht bleiben. Dabei darf sich jedoch keine Staunässe bilden, damit das Rhizom nicht fault. Achte darauf, dass das Gießwasser kalkfrei ist.
Die Blätter sprühst du im besten Fall zusätzlich ab und an mit ebenfalls kalkfreiem Wasser ein.
Im Sommer steht Ingwer gern warm und sonnig. Das ist im Zimmer kein Problem. Schwieriger wird es, im Winter einen um rund 10 °C kühleren Platz für die Pflanze zu finden. Diesen braucht sie für die Überwinterung. Frost verträgt Ingwer allerdings gar nicht.
In dieser Zeit stellst du auch das Gießen ein. Denn Ingwer zieht sich wie Tulpen und andere Zwiebelgewächse nach dem Ende seines Vegetationszyklus komplett ein. Nur sein Rhizom bleibt erhalten.
Ingwer und Krankheiten
Seine Scharfstoffe schützen Ingwer vor den meisten Schädlingen und Krankheiten. Nur dann, wenn er zu nass steht, faulen seine Wurzeln. Dann siedeln sich auch Trauermücken in der Erde an.
Wurzelfäule beugst du mit einer Drainage-Schicht vor. Auch übermäßiges Gießen kann einen Befall begünstigen. Überprüfe daher regelmäßig, wie gut das Wasser abfließt.
Ingwer ernten und verwerten
Ingwer erntest du im Herbst. Den richtigen Zeitpunkt erkennst du daran, dass sich seine Blätter gelblich färben. Dann weißt du, dass er reif ist. Nun kannst du sein Rhizom frisch zu Tee und Säften, in Salaten oder als Würze beispielsweise in asiatischen Gerichten verarbeiten. Alternativ kannst du ihn auch einlagern oder trocknen.
Heilpflanze Ingwer

Ingwer wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Vor allem gegen Reiseübelkeit helfen die Knollen gut. Mit Zitrone im Tee schmeckt Ingwer besonders frisch.
In Asien dient Ingwer schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze. Sowohl die ayurvedische Medizin als auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) nutzt Ingwer. Auch in Europa hat er Einzug in die Naturheilkunde gehalten.
Die chemische Struktur und die Wirkungsweise der enthaltenen Scharfstoffe (Gingerole) gleichen der von Aspirin. Sie sorgen dafür, dass die Blutplättchen nicht verklumpen. So verringern sie das Risiko von Thrombosen und Arteriosklerose. Gingerole lindern zudem Schmerzen und Übelkeit und helfen bei Schwindel. Daher wird Ingwer unter anderem bei Reiseübelkeit und Seekrankheit eingesetzt.
Da sie die Wärme-Rezeptoren im Magen reizen, regen Gingerole aber auch die Bildung von Schweiß und Speichel an. So entsteht das nach dem Genuss von Ingwer bekannte intensive Hitzegefühl.
Ingwer gilt zudem als verdauungsfördernd. Er hilft nicht nur gegen Übelkeit, sondern auch gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Er ist appetitfördernd und regt die Produktion von Verdauungssäften sowie des Gallensafts an. Auf diese Weise unterstützt Ingwer die Verdauung von Fetten.
Frisch ist Ingwer so scharf, dass er nur in kleinen Mengen bekömmlich ist. Deshalb wurde er seit Jahrhunderten getrocknet und anschließend kandiert. Dadurch wird er milder.
Ingwertee ist bekömmlicher als der direkte Verzehr. Dazu schneidest du vom Rhizom einfach ein Stück ab und gießt es mit kochendem Wasser auf. Dann lässt du es fünf bis zehn Minuten ziehen. Soll der Tee intensiver schmecken, kannst du ihn auch zwanzig Minuten oder noch länger ziehen lassen. Dann wird er allerdings auch schärfer.
In Küchenpapier eingewickelt und in einem luftdichten Behälter halten gekaufte Knollen im Gemüsefach des Kühlschranks sehr lange. Eingefroren hält er sich bis zu drei Monate.









