Grüne Paradeiser – eine Delikatesse?
Hängt die Paradeiser noch grün am Strauch, ist die Botschaft klar: Ich bin noch nicht reif. Erst wenn sich das Gemüse wunderbar rot verfärbt hat, pflücken wir die Paradeiser vom Strauch.
Mit dem Film „Grüne Paradeiser“ wurden die frittierten grünen Paradeiser auch bei uns bekannt. In gar nicht so wenigen Regionen gilt das grüne Fruchtgemüse als Delikatesse. Meistens werden die grünen Paradeiser dann frittiert oder eingelegt. Sind sie also gar nicht so giftig, wie man immer hört?
Hier erfährst du alles, was du über grüne Paradeiser und ihre Bekömmlichkeit wissen musst.
Darum sind grüne Paradeiser giftig
Pflanzen verfügen über spezielle Schutzmechanismen, mit denen sie ihre Fressfeinde von sich fernhalten. Besonders fruchttragende Pflanzen schützen sich mit einer gewissen Raffinesse. Das funktioniert zum einen durch Tarnung, zum anderen durch Gegenwehr.
Die Paradeiser macht da keine Ausnahme. Um die Früchte vor Fressfeinden zu schützen, bleiben sie möglichst lange grün. So sind sie zwischen den Blättern nur sehr schlecht zu erkennen. Die Farbe bleibt unverändert, bis die Paradeiser so weit gereift sind, dass die Früchte für die Fortpflanzung bereit sind. Erst dann färben sich die Paradeiser rot oder gelb, je nach Sorte.
Für einen doppelten Schutz tarnt der Paradeiser seine Früchte aber nicht nur. Zusätzlich enthalten grüne Paradeiser Solanin. Das giftige Alkaloid schmeckt besonders bitter. Lässt ein Tier trotzdem nicht von der Pflanze ab, stellen sich bei übermäßigem Verzehr Vergiftungserscheinungen ein. Im schlimmsten Fall kann es daran sterben.

Grüne, noch unreife Paradeiser enthalten Solanin. Der Stoff ist giftig und soll Fressfeinde abhalten.
Grüne Paradeiser: Was ist Solanin?
Solanin ist ein Alkaloid. Mit diesem Begriff werden verschiedene Stoffe benannt, die oft in Pflanzen als Abwehrstoffe zu finden sind.
Neben dem Solanin gehört zum Beispiel auch Colchicin dazu. Dieses Gift ist in der Herbstzeitlosen enthalten. Es kann schon in geringen Dosen tödlich wirken. Auch Strychnin der Brechnuss gehört zu den Alkaloiden.
Etwas bekannter ist das Capsaicin, das du unter anderem in Chilis und Peperonis finden kannst. Dort sorgt der Stoff für die Schärfe. Und sogar das Morphin des Schlafmohns gehört zu den Alkaloiden.
Gering dosiert werden einige dieser Stoffe auch in der Medizin verwendet. Dann werden allerdings nur wenige Milligramm genutzt. Nimmst du etwa über die Nahrung eine größere Menge Alkaloide zu dir, kann es gefährlich werden.
Wie giftig sind grüne Paradeiser?
Solanin steckt ausschließlich in den grünen Pflanzenteilen der Paradeiser. Isst du eine reife Frucht, besteht keine Gefahr für eine Vergiftung.
Grüne Paradeiser enthalten etwa 9 g bis 32 mg Solanin je 100 g Gemüse. Um erste starke Vergiftungserscheinungen beim Menschen auszulösen, müsste man rund 625 g grüne Paradeiser essen.
Sind die Paradeiser noch nicht ganz reif, aber auch nicht mehr vollkommen grün, enthalten sie nur noch 2 mg Solanin je 100 g Frucht. Dann müsstest du ganze 10 kg davon essen, um Vergiftungserscheinungen zu erleben.
Sind die Paradeiser wirklich reif und knallrot, ist immer noch Solanin in ihnen enthalten. Allerdings sind es dann nur noch 0,7 mg je 100 g Gemüse. Bis es zu Anzeichen einer Vergiftung kommt, müsstest du dann schon ganze 29 kg davon essen.

Leuchten Paradeiser in strahlendem Rot, sind sie reif und bereit zum Verzehr. Sorten der grünen Paradeiser verfärben sich allerdings auch bei Reife nicht.
Wie wahrscheinlich ist eine Vergiftung?
Da das Solanin unangenehm bitter schmeckt, ist es unwahrscheinlich, dass ein Mensch so viel davon isst, dass er sich damit vergiftet. Zudem ist die Menge des Solanins in den Paradeiser sehr gering. Beim Reifen des Gemüses nimmt die Menge stetig ab.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich zu Symptomen einer Vergiftung kommt, ist daher sehr gering.
In bestimmten Regionen werden grüne Paradeiser allerdings süßsauer eingelegt. Manchmal wird auch Konfitüre daraus gemacht. Hier solltest du aufpassen, denn Solanin zerfällt bei Hitze nicht. Es ist also auch nach dem Kochen noch vorhanden. Gleichzeitig wird der bittere Geschmack von den Zutaten überdeckt. Zucker, Essig und andere Gewürze täuschen dann darüber hinweg, dass gerade etwas Giftiges gegessen wird.
Besonders die eingelegten Paradeiser enthalten gut und gern noch 90 % des Solanins. Isst du 100 g bis 150 g davon, kann es schon zu ersten Vergiftungserscheinungen kommen.
Wie erkennt man eine Vergiftung durch grüne Paradeiser?
Eine Vergiftung durch Solanin äußert sich durch:
- Benommenheit
- schweren Atem
- Magenbeschwerden
- Durchfall
In schweren Fällen führen Schäden am zentralen Nervensystem zu:
- Krämpfen
- Lähmungserscheinungen
Eine Dosis ab rund 400 mg Solanin gilt als tödlich.
Diese grünen Paradeiser kannst du essen

Die Sorte "Green Zebra" gehört zu den grünen Tomaten, die auch bei Reife nicht rot werden.
Grundsätzlich ist es gut, wenn du nur reife Paradeiser isst. Diese sind je nach Sorte meist knallrot oder auch orange beziehungsweise gelb.
Möchtest du aber unbedingt auch grüne Paradeiser essen, dann greif am besten zu einer der Sorten, die auch dann noch grün sind, wenn sie längt ihre Reife erreicht haben. Davon gibt es inzwischen einige, die du natürlich auch selbst in einem Gewächshaus anpflanzen kannst. Zu den nicht giftigen grünen Paradeiser sorten zählen unter anderem „Green Zebra“, „Limetto“ oder auch „Green Grape“.
Diese besonderen Sorten sind übrigens nicht nur außen grün: Auch im Inneren zeigen sie die Farbe der Hoffnung. Das Fruchtfleisch ist genauso wie die Schale des Gemüses grün.
Aber wie erkennst du bei grünen Paradeiser, dass sie reif sind? Ganz einfach: Drücke sanft auf die Früchte. Geben sie leicht nach, sind sie reif.









