StartGartenGrill

"Bei uns ist immer der Grill an!" – ein Interview mit dem Grillkönig

Zuletzt aktualisiert: 13.10.20219 MinutenVon: OBI Redaktion
Grillmeister Michael Hoffmann vor Gegrilltem.

Der 52-jährige Michael Hoffmann aus Rösrath ist mit seinem Grillteam "GutGlut e.V." fünffacher deutscher Meister im Grillen und zurzeit Deutschlands amtierender Grillkönig. Mit uns spricht er über Grilltypen, Räucherchips und Wettbewerbe; verrät uns, warum er nicht experimentiert, sondern ausprobiert – und welches Grill-Zubehör für Anfänger und Profis die beste Anschaffung ist.

Vom Hobby-Brutzler zum Meistergriller

Vom Hobby-Brutzler zum Meister-Griller: Wie bist du zum Profi-BBQ gekommen?

Michael: Angefangen habe ich ganz klassisch mit einem Holzkohlegrill. Mit der Zeit kam die Erfahrung – und irgendwann schmeckte mein eigenes Steak besser als in meinem Lieblings-Steakhouse! Als meine Frau und ich dann mal einen Bericht über eine Grillmeisterschaft in Ungarn gesehen haben, dachten wir "Das können wir auch!" und haben uns kurzerhand angemeldet. Zusammen mit meinen Jugendfreunden Dirk und Olaf, meinem Bruder und meiner Schwägerin sind wir dann 2003 mit einer minimalistischen Ausstattung zur deutschen Meisterschaft gefahren und haben auf Anhieb den 1. Platz in der Amateurklasse belegt. Ab da hatte uns der "Bazillus Grillus" erfasst: Seitdem standen wir zweimal auf Weltranglistenplatz 1 und wurden fünfmal deutscher Meister, zuletzt 2019. Da die Meisterschaft 2020 ausgefallen ist, ist unser Team "GutGlut" sogar noch amtierend – auch wenn wir uns natürlich am liebsten stattdessen den Sieg nochmal neu geholt hätten.

Wow, das ist wirklich beeindruckend! Wie können wir uns eine Grill-Meisterschaft vorstellen?

Michael: Das ist ein bisschen vom Land abhängig. Hier in Deutschland ist es wie Eiskunstlauf: Neben exaktem Timing wird auch sehr viel Wert auf kunstvoll angerichtete Teller und Beilagen gelegt und auch gerne mal ein passendes Glas Wein dazu gereicht. Das ist Grillen auf Sterneniveau. In den USA ist es eher wie Eisschnelllauf: Dort geht es wirklich nur um das Grillgut, die Jury isst mit den Fingern, als Dekoration gibt es maximal ein wenig Petersilie. Das ist einfach ein ganz anderer Sport.

Grillkönig Michael Hoffmann macht Waffeln vom Grill.

Ihr seid also in der ganzen Welt unterwegs?

Michael: Ja, dafür geht auch regelmäßig unser Jahresurlaub und die Freizeit drauf. Aber es lohnt sich: Wir sehen viel, haben Freunde aus aller Welt – das ist wie ein großer verrückter Grillzirkus, der sich jedes Jahr irgendwo auf der Welt trifft. Und nach dem Wettbewerb sitzen wir zusammen und fachsimpeln: wie eine große Runde aus Familie und Freunden. Das ist für mich auch das Schönste am Grillen: die Gemeinschaft und das Zelebrieren von gutem Essen. Dafür muss man ja auch nicht weit reisen, das geht auch mit der Familie oder den besten Freunden zu Hause im Garten oder auf dem Balkon.

Gas, Elektro oder Kohle?

"Das grilltypische Aroma macht nicht der Grill, sondern die Temperatur."

Da stellt sich natürlich die Frage aller Fragen: Gas, Elektro, Kohle – womit grillt der Grillkönig?

Michael: Im Team haben wir tatsächlich über 40 Grills, die wir vor allem zum Trainieren nutzen. Ich kann mich auch von keinem Grill trennen. Zwei davon haben sogar einen Spitznamen. Ich selbst habe zu Hause drei Geräte im Dauereinsatz: Einen Pelletgrill, einen BBQ-Smoker und einen Kugelgrill.

Und welcher ist dein Favorit?

Michael: Dazu möchte ich erstmal sagen: Das grilltypische Aroma macht nicht der Grill, sondern die Temperatur. Durch die sogenannte Maillard-Reaktion entsteht diese krosse, braune Kruste, die wir alle so lecker finden. Und die entsteht durch Hitze. Wenn ich also hohe Temperaturen erziele, schmeckt mein Essen mit allen Geräten gleich gut – egal, ob ich mit Holzkohle, einem Gasgrill oder einem guten Elektrogrill arbeite. Wir haben das sogar mal in einer Blindverkostung getestet und keinen Unterschied feststellen können.

Also sind Elektrogrills inzwischen konkurrenzfähig?

Michael: Ich hatte früher auch keine hohe Meinung von Elektrogrills, aber jetzt sind die viel weiter: Die neuen Geräte haben eine hohe Leistungsaufnahme und erzielen bei 2000 Watt aufwärts auch schöne Temperaturen. Wenn der Elektrogrill dann noch einen Deckel und zwei unterschiedliche Temperaturbereiche hat, geht sogar indirektes Grillen.

Gerade für den Balkon einer Mietswohnung also eine gute Alternative, oder?

Michael: Definitiv! Ansonsten würde ich auch über einen kleinen Gasgrill nachdenken: Der ist schnell auf Temperatur, so dass man sehr bequem und spontan grillen kann. Zusätzlich raucht er sehr wenig. Aber was letztendlich die beste Wahl ist, hängt natürlich auch vom Balkon ab und was dort erlaubt ist.

"Ich kann mich von keinem Grill trennen. Zwei davon haben sogar einen Spitznamen."

Nützliches Grillzubehör

Die Frage nach dem Grill hätten wir also geklärt. Was hältst du von Zubehör?

Michael: Ich finde, dass man mit nützlichem und sinnvollem Zubehör seine Möglichkeiten auf jeden Fall erweitern kann. Mit einem Pizzastein zum Beispiel wird meine Pizza wie aus der Pizzeria! Mein Grill kommt an die 350 Grad, der Ofen in der Pizzeria hat auch nicht viel mehr. Oder eine Wok-Pfanne aus Gusseisen: Damit erreicht man richtig hohe Temperaturen, das Fleisch zischt und bleibt schön saftig. Und für Gemüse ist die Pfanne auch super!

Nutzt du auch Räucherchips?

Michael: Auf jeden Fall. Gerade bei Fisch sind Räucherchips immer mit auf der Glut – die passen generell zu allem Kurzgegrillten, wo ich ein Raucharoma möchte. Mit einer Räucherbox funktioniert das auch bei Gasgrills. Je nach Grillgut lassen sich dann mit unterschiedlichen Hölzern schöne Geschmacksnoten erzielen: Apfelholz passt gut zu Schwein, Kirschholz zu Rind, und Hickory ist richtig lecker für Spareribs. Es gibt auch Holzchips aus ausrangierten Whiskey-Fässern – es lohnt sich, da ein wenig auszuprobieren.

Wie können wir uns das vorstellen, wenn du mit neuen Ideen experimentierst?

Michael: Wenn's ums Grillen geht, dann experimentiere ich nicht, sondern probiere aus. Ich habe tatsächlich ein Grilltagebuch, in dem ich von der Temperatur bis zur Grilldauer und der Größe des Grillguts haargenau alles festhalte: So bekomme ich reproduzierbare Ergebnisse und sehe, wann ich wo etwas geändert habe und ob das geklappt hat. Da hilft mir die Struktur aus meinem eigentlichen Job in der IT ungemein. Und genau durch dieses Wiederholen kommt auch die Erfahrung, mit der ich immer besser geworden bin.

Aber klar: Wenn der Grill schon mal an ist, dann testen wir auch immer wieder gern Neues und schauen, was der Kühlschrank so hergibt. So entstehen dann zum Beispiel auch gegrillte Auberginen mit Honig und einer Prise Rauchsalz. Schon zweimal haben wir auf Meisterschaften auch den 1. Platz im vegetarischen Gang belegt – sowas ehrliches Vegetarisches vom Grill ist eben auch sehr vielfältig. Generell finde ich, dass man beim Grillen unheimlich kreativ sein kann.

Gegrilltes Obst mit Pizza, Eintopf und Pulled Pork Burger

Gilt die Kreativität auch, wenn du privat grillst?

Michael: Na klar! Für mich ist Grillen wie Fondue: Das macht man ja auch den ganzen Abend lang. Ich beziehe die Leute also gern mit ein, lasse sie aus vielen kleinen Schüsseln ihre eigenen Spieße zusammenstellen und selbst grillen. Wir sollten uns beim Grillen viel mehr Zeit lassen und das richtig zelebrieren – man grillt ja schließlich nicht jeden Tag. Also, außer wir vielleicht (lacht). 

Hast du einen Tipp, der gerade in einer kleineren Runde gut funktioniert?

Michael: Da ist es toll, auf Klasse statt Masse zu gehen und ein mehrgängiges Menü vom Grill zu servieren: Gegrilltes Brot mit Aioli, ein gutes Stück Fleisch vom Metzger, dazu ein leckeres Confit, ein Grill-Gratin und natürlich einen Nachtisch. Ich empfehle das Dessert, mit dem wir den Weltmeistertitel geholt haben: Eispraline im Strudelteig. Wer mag, kann natürlich auch noch Fingerfood vorab oder einen Fischgang vom Grill einbauen. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass wir jetzt sogar unser eigenes Grill-Kochbuch herausgebracht haben, um unsere ganzen Rezeptideen zu teilen. 

Die Grillmeister-Grundausstattung

Wo wir schon bei Tipps sind: Welche Ausstattung ist für jeden Hobby-Griller eine gute Anschaffung?

Michael: Wenn man mit Holzkohle grillt: ein Anzündkamin. Du füllst Kohle ein, legst zwei Anzünder darunter und wartest entspannt auf deine durchgeglühte Kohle, mit der du nach ungefähr 15 Minuten direkt losgrillen kannst.

Vor allem bei Feiern oder längeren Grill-Sessions ist das praktisch: Mit dem Anzündkamin kannst du Kohle auf Vorrat fertig durchglühen lassen – so muss niemand lange auf sein Essen warten. 

Anzündkamin mit glühender Kohle auf dem Grill

Gibt es auch Zubehör, das für alle Grilltypen wichtig ist?

Michael: Eine gute Grillzange, die zu dir passt, ist auf jeden Fall eine sinnvolle Anschaffung. Sie sollte lang genug sein, damit du auch im hinteren Teil deines Grills arbeiten kannst, ohne dich zu verbrennen. Und stabil genug, damit du damit auch mal ein 900g T-Bone-Steak wenden kannst. Und Achtung, keine Gabel! Die nimmt man zum Aufschneiden nach dem Grillen, denn durch das Reinstechen tritt der Fleischsaft aus und das Grillgut wird trocken.

Ich habe auch immer einen Kerntemperaturfühler im Einsatz. Mit so einem Grill-Thermometer kannst du die Garstufe deines Grillguts genau im Auge behalten. Die gibt es inzwischen auch mit App und Bluetooth-Anbindung. Aber auch ohne App ist so ein Thermometer eine sehr gute Anschaffung, ganz egal, ob du Profi oder Anfänger bist.   

Smart Grillen mit App und Temperaturfühler

Wenn du Grill-Fans noch einen letzten Tipp geben dürftest...

Michael: ...dann wäre es, nicht mit Bier abzulöschen! Das sehe ich immer wieder: entweder für den Geschmack oder weil der Grill brennt. Letzteres passiert, wenn ölige Marinade oder Fett vom Fleisch in die Glut tropft. Bier wirbelt dabei aber nicht nur ungesunde Asche auf, die sich auf dem Grillgut absetzen kann, sondern kühlt das Fleisch auch zu stark runter, so dass es länger braucht und trocken wird. Besser ist es da, überschüssige Marinade vorher abzutupfen, damit es gar nicht erst zum Feuer kommt. Und für den guten Geschmack empfehle ich, das Fleisch lieber am Vorabend in Bier einzulegen. Gerade dunkles Bier gibt dabei nicht nur ein gutes Aroma, sondern auch zusätzlich Farbe.

Vielen Dank für das Gespräch, Michael – du hast uns nicht nur mit Fachwissen gefüttert, sondern auch unsere Grill-Inspiration angeheizt! 

"Wir sollten uns beim Grillen viel mehr Zeit lassen und das richtig zelebrieren – man grillt ja schließlich nicht jeden Tag."

Die OBI Bau- und Heimwerkermärkte Systemzentrale GmbH schließt bei nicht sach- und fachgerechter Montage entsprechend der Anleitung sowie bei Fehlgebrauch des Artikels jede Haftung aus. Ihre gesetzlichen Ansprüche werden hierdurch nicht eingeschränkt. Achten Sie bei der Umsetzung auf die Einhaltung der persönlichen Sicherheit, tragen Sie, wenn notwendig, entsprechende Schutzausrüstung. Elektrotechnische Arbeiten dürfen ausschließlich von Elektrofachkräften (ÖVE/ÖNORM EN 50110-1) ausgeführt werden. Bei dem Aufbau der Artikel müssen die Arbeiten nach AUVA durchgeführt werden. Führen Sie diese Arbeiten nicht aus, wenn Sie mit den entsprechenden Regeln nicht vertraut sind. Wir sind um größte Genauigkeit in allen Details bemüht.