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Richtig löten – Tipps & Tricks

Zuletzt aktualisiert: 29.10.201910 MinutenVon: OBI Redaktion
Richtig löten wie dieser Mann mit einer Lötpistole.

Was sind die Unterschiede zwischen Hartlöten und Weichlöten, was sind die verschiedenen Lötzinne und was gibt es zu beachten? Wir geben Tipps rund ums Löten.

Löten – was gibt es zu beachten?

Löten ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit mit Elektronik. Neben Platinen können Sie aber zum Beispiel auch Kupferrohre und Regenrinnen verlöten. Glas und Keramik verbinden Sie mit Glaslot. Elektronische Bauteile löten Sie dann, wenn Sie zwei Teile miteinander verbinden wollen, die Wärme oder Strom leiten sollen.

Bevor Sie mit dem Löten beginnen, klären Sie zunächst einige grundlegenden Fragen:

  1. Wollen Sie Hartlöten oder Weichlöten?
  2. Welches Lötzinn möchten Sie nutzen?
  3. Welches Lötgerät wollen Sie verwenden?

Im ersten Schritt gilt es, zu beachten, dass Sie aufgrund der hohen Temperaturen beim Löten spezielle Brandschutzvorschriften beachten und feuerfeste Kleidung tragen sollten. Beim großflächigen Hartlöten sind Temperaturen von mindestens 450 °C üblich.

Im Heimwerker- und Hobbybereich wird generell eher weichgelötet. Hier bekommen Sie es mit Temperaturen zwischen 180 °C und 250 °C zu tun. Für die Arbeiten eignet sich ein Lötgerät – zum Beispiel ein Lötkolben oder eine Lötpistole.

Bleifreies Lötzinn empfiehlt sich ebenfalls besonders für Heimwerker und Hobbybastler. Die Legierung besteht üblicherweise aus Zinn und wenigen Teilen Kupfer oder Silber. So wird auf das gesundheitsschädigende Schwermetall Blei verzichtet.

Wählen Sie je nach Projekt Lötart, Lötzinn und alles weitere zur Löttechnik aus und bringen Sie das gewählte Gerät auf Betriebstemperatur. Dann verbinden Sie die Teile mechanisch oder halten sie zusammen. Die Lötspitze führen Sie vorsichtig an die zu verlötenden Teile und führen gleichzeitig den Lötdraht zwischen Spitze und Lötstelle. Benetzen Sie die entsprechende Stelle mit dem verflüssigten Lötzinn, bis sie vollständig überzogen ist. Prüfen Sie die vollständige Benetzung und halten Sie die heiße Lötspitze nur so lange wie nötig an. Während das Lötzinn erkaltet und sich verfestigt, darf die Lötstelle nicht erschüttert werden.

Weichlöten oder Hartlöten?

Ob Sie weich- oder hartlöten, hängt von der Art des Projekts und der Schmelztemperatur des jeweiligen Lotes ab. Jedes Lot hat seine eigene Verarbeitungstemperatur. Beim im häuslichen Gebrauch üblichen Weichlöten liegen die Schmelztemperaturen der eingesetzten Legierungen unterhalb von 450 °C und in der Regel zwischen 180 °C und 250 °C.

Beim Hartlöten wird das Lot über 450 °C erhitzt, um es zum Schmelzen und anschließenden Binden zu bringen. Das Verfahren nutzen Sie, wenn Stahl, Kupfer, Messing oder Silber eine stabile Verbindung eingehen sollen – zum Beispiel beim Löten von Sanitärrohren aus Metall.

Hartlöt-Verbindungen sind mechanisch stabiler als Weichlöt-Verbindungen und wegen höherer Schmelzpunkte thermisch höher belastbar. In der Industrie gibt es außerdem ein Hochtemperatur-Lötverfahren, bei dem Temperaturen von über 900 °C erreicht werden. Ein weiterer Unterschied zwischen dem Hart- und Weichlöten liegt im eigentlichen Lötvorgang. Beim Hartlöten löten Sie nicht punktuell, sondern großflächig.

In der Elektronik kommt in der Regel das Weichlot zum Einsatz. Der Lötvorgang ist einfacher, Sie führen ihn bei geringeren Temperaturen durch und die Verbindungen stellen keine so hohen Anforderungen an Festigkeit und Belastbarkeit. Beim Löten von Platinen arbeiten Sie also ebenfalls mit dem Weichlöt-Verfahren.

Anschluss des Elektromotors wird im Weichlöt-Verfahren mit der Lötkolbenspitze gelötet.
Hartlöten mit einer Lötlampe an einem Rohr.

Das richtige Lot wählen

Das Lot wird umgangssprachlich als Lötzinn bezeichnet, da es sich bei einer der Hauptbestandteile üblicherweise um Zinn handelt. Weitere Bestandteile können Kupfer, Silber, Antimon, Zink und Blei sein. Zusätzlich enthält Lötzinn ein Flussmittel, meist Kolophonium. Es schützt das Lot bei der Verarbeitung vor dem Oxidieren.

Lot besitzt generell keinen festen Schmelzpunkt, sondern verfügt über einen variablen Schmelzbereich. Angeboten werden Lote in der Regel als Lötdraht in verschiedenen Stärken – für das Löten in der Elektronik bietet sich eine Stärke von 1 bis 1,5 mm an. Auch Lötpaste eignet sich für manche Vorhaben.

Weichlote sind genormt und mit Kurzkennzeichen versehen. Auf der Verpackung der Drahtspule steht beispielsweise PbSn40. Das bedeutet, der Draht besteht zu 60% aus Blei und zu 40% aus Zinn. Bei Sn50PbCu kommen zu den 50% Zinn 49% Blei und 1% Kupfer hinzu. Ag steht für Silber, Sb für Antimon.

Legierungen und deren Schmelztemperaturen

Lötkolben oder Lötpistole?

Beim Weichlöten nutzen Sie Lötkolben oder Lötpistole. Der Kolben kommt meist bei der Arbeit mit gedruckten Schaltungen zum Einsatz. Lötkolben bestehen aus einer Lötspitze aus Metall und einem Griff. Entweder enthält das Gerät einen Akku oder ist über ein Kabel mit einer Steckdose oder einer temperaturgeregelten Lötstation verbunden. Die Lötpistole erreicht schnell die gewünschte Temperatur und ist gut für größere Lötstellen bei Bauteilen geeignet.

Viele Heimwerker bevorzugen die Lötpistole beim Arbeiten, weil diese besser in der Hand liegt. Andere arbeiten lieber mit der feinen Spitze des Lötkolbens. Doch ob Kolben, Pistole oder Lötstation, das passende Gerät wählen Sie am besten nach einem kurzen Test der Handlichkeit aus.

Das Löten fachgerecht vorbereiten

Stellen Sie sicher, dass die zu verlötenden Teile vor Beginn der Arbeit sauber sind. Greifen Sie je nach Material und Verschmutzung zu Schleifpapier, Feile oder Alkohol. Achten Sie außerdem darauf, dass auch die Lötspitze des Lötgeräts sauber ist. Überprüfen Sie dann, ob Ihr Gerät die nötige Leistung für das Schmelzen des passenden Lots hat.

Bereiten Sie den Arbeitsplatz mit temperaturunempfindlicher Ablage für das Lötgerät und einer Unterlage zum Arbeiten vor, die herabtropfendes Zinn verkraftet. Legen Sie außerdem einen feuchten Schwamm bereit. Um das Werkstück oder Bauteil während des Lötens zu fixieren, bietet sich ein Schraubstock oder eine spezielle Löthalterung an.

Leiterplatte wird unter der Lupe gelötet.

Fixieren Sie Ihr Werkstück mit einer Löthalterung – mehr Zubehör für Lötgeräte im OBI Online-Shop.

Der Lötvorgang – so löten Sie richtig

  1. Lötgerät auf Betriebstemperatur bringen
  2. zu verlötende Teile mechanisch verbinden
  3. Lötspitze an die Bauteile führen
  4. Lötzinn zwischen Spitze und Lötstelle geben
  5. entsprechende Stelle vollständig mit Lötzinn benetzen
  6. Lötzinn trocknen lassen und Erschütterung vermeiden

Hinweis: Wenn sich die zu verlötenden Bauteile mechanisch nicht miteinander verbinden lassen – zum Beispiel, indem Sie Drähte ineinander drehen – verzinnen Sie die Teile vor dem Löten. Dabei werden die Kontaktflächen der Teile leicht mit Zinn überzogen, indem Sie sie mit der Lötspitze erhitzen. So lassen sich die bereits erwärmten Teile anschließend besser verbinden. 

Jeder einzelne Lötvorgang sollte nicht länger als 4 bis 6 Sekunden dauern, damit die Bauteile nicht überhitzt und beschädigt werden. 

Kalte Lötstellen reparieren und Hitzetod vermeiden

Ein Lötkolben bearbeitet eine Leiterplatte und ein Rauchfaden entsteht.

Kann die Lötstelle nicht ungestört erstarren oder verbinden sich die Kontaktstellen nicht, weil beispielsweise die Temperatur des Lötkolbens zu niedrig war oder das Lötzinn zu früh zugeführt wurde, entsteht eine kalte Lötstelle. Eine kalte Lötstelle ist zwar eine mechanische Verbindung, sie leitet aber den Strom nicht oder nur eingeschränkt. Sie erkennen diese fehlerhaften Lötstellen an der matten Oberfläche und unter Umständen an einer ungleichmäßigen Zinnverteilung.

Reparieren Sie die Lötstelle, indem Sie sie erneut mit einem Lötkolben erhitzen und mit ein wenig frischem Lot neu bearbeiten. Verschmutzte Lötstellen reparieren Sie, indem Sie zunächst das alte Lot entfernen – zum Beispiel mit einer Entlötpumpe – und die Stelle dann erneut wie beschrieben verlöten.

Beachten Sie, dass bleifreies Lötzinn immer eine matte, raue Oberfläche aufweist. Im Zweifelsfall arbeiten Sie die fragliche Verbindung noch einmal nach, statt später auf Fehlersuche zu gehen.

Während Sie eine kalte Lötstelle wieder reparieren können, wird ein Hitzeschaden nicht ohne Grund als „Hitzetod“ bezeichnet. Wird ein Elektroteil beim Löten zu lange erhitzt, kann es irreparabel geschädigt werden. Achten Sie daher darauf, Kontaktstellen nicht länger als wenige Sekunden zu erhitzen.

Entlöten – drei Methoden kurz erklärt

Eine Lautsprecherkabelverbindung wird mit einem Lötkolben entlötet.

Lötstellen zu entfernen ist zum Beispiel dann notwendig, wenn ein Bauteil ausgetauscht werden muss. Im Idealfall reicht es aus, die Lötstelle erneut zu erwärmen und das betroffene Teil zu entfernen. Häufig aber bedeutet Entlöten mehr Aufwand:

Beim Entlöten mit geflochtenen Kupferdrähten beziehungsweise der Entlötlitze wird das verflüssigte Zinn mittels eines erhitzen Kupfergeflechts aufgesaugt. Dafür müssen Lötstelle und Lötspitze mit der Litze dazwischen erhitzt werden. Die Entlötlitze entfernt das Zinn beinahe rückstandsfrei.

Beim Entlöten mit der Entlötpumpe wird die Pumpe auf die erhitzte und verflüssigte Lötstelle aufgesetzt. Dann schalten Sie die Entlötpumpe ein und die Pumpe saugt das Zinn von der Lötstelle auf. Hier bleibt ein leichter Zinn-Rückstand zurück. Gehen Sie auch hierbei behutsam vor, um beim Auslösen der Pumpe das Werkstück nicht zu beschädigen.

Die sauberste Lösung ist das Entlöten mit einer Lötstation mit elektrischer Pumpe. In der Entlötspitze des Geräts befindet sich ein Loch. In dieses Loch saugt das Gerät das verflüssigte Zinn.

Tipps für mehr Sicherheit beim Löten

Die Temperatur der Lötspitze ist nicht zu unterschätzen. Berührung mit der Haut führt zu Verbrennungen. Außerdem besteht durch die hohe Temperatur Brandgefahr. Aus diesen Gründen gehört eine Halterung, in die Sie das Lötgerät in Arbeitspausen stellen, zur sicherheitsfördernden Ausstattung beim Löten dazu. Achten Sie zudem darauf, dass sich keine brennbaren Materialien in der Nähe des Geräts befinden und dass Sie auf einer feuerfesten Unterlage arbeiten.

Hinweis: Bleihaltiges Lötzinn aber auch die im Zinn enthaltenen Flussmittel (u. a. mit Kolophonium, Ammoniumchlorid, organische Säuren) können die Gesundheit beeinträchtigen, wenn sie eingeatmet werden. In professionellen Betrieben gibt es deshalb Absauganlagen. Für den Hausgebrauch bietet sich für die Arbeit ein gut belüfteter Raum an.

Investieren Sie unter Umständen auch in eine Schutzbrille. Herabtropfendes und spritzendes Lötzinn stellt eine weitere Gefahrenquelle dar. Aufgrund der Bleipartikel in der Luft sollten Sie es vermeiden, bei bleihaltigem Lötzinn  in der Nähe der Lötstelle zu essen und zu trinken. Waschen Sie sich außerdem nach der Arbeit immer gründlich die Hände.

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