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Wärmeverluste am Haus mit Thermografie erkennen

Zuletzt aktualisiert: 19.01.20224 MinutenVon: OBI Redaktion
Eine Wärmebildkamera misst den Wärmeverlust am Haus

Jedes Haus und jede Wohnung hat gewisse Wärmeverluste. Problematisch wird es, wenn große Mengen an Wärme verloren gehen. Wir zeigen dir unter anderem, wie du Verluste am Haus mittels Thermografie entdeckst und was du tun kannst, um eine bessere Wärmedämmung zu erzielen.

Wie entdeckt man Wärmeverluste am Haus?

Wärmeverluste am Haus kannst du zuverlässig mit Thermografie aufdecken. Dabei handelt es sich um Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera. Alternativ oder zusätzlich führst du Messungen mittels eines Thermodetektors durch. Beide Vorgehensweisen zeigen an, wo Wärmebrücken bestehen und Wärme aus einer Wohnung oder dem Haus entweicht.

Gründe für Wärmeverluste gibt es viele: So könnten Risse im Mauerwerk, beschädigte Fenster oder Türen sowie eine mangelhafte Wärmedämmung der Fassade für die Probleme sorgen. Der Übergang von den Wänden zum Dach ist ebenfalls eine häufige Ursache für einen Wärmeverlust. Ebenso wie Hohlräume bei Elektro- und Wasserinstallationen.

Dank Thermografie oder Messungen mit dem Thermodetektor deckst du gegebenenfalls auch Wärmeverluste zwischen unterschiedlichen Etagen, Wohnungen und Wohnräumen auf.

Übrigens kommen Wärmeverluste nicht nur bei älteren Gebäuden vor, auch modernere Bauten bieten häufig noch nennenswertes Optimierungspotenzial.

Wie funktioniert die Thermografie?

Thermografie eines Hauses

Die Wärmebildkamera zeigt, an welchen Stellen am Haus Wärme abgegeben wird. So lassen sich schlecht gedämmte Stellen erkennen.

Bei der Thermografie wird eine Wärmebildkamera auf die Gebäudehülle gerichtet. Sie misst die Wärmeabstrahlung der verschiedenen Teile des Gebäudes. Das Dach wird dabei also genauso untersucht wie die Außenwände, die Fenster und Türen.

Auf der Wärmebildkamera rot erscheinende Bereiche zeigen Stellen, an denen das Haus Wärme verliert. An dieser Stelle ist dann beispielsweise die Fassade schlecht gedämmt oder die Fenster sind undicht.

Blaue oder dunklere Bereiche zeigen bei der Thermografie kalte Stellen an. In diesen Bereichen gibt das Haus somit keine beziehungsweise kaum Wärme ab.

Die Thermografie ist von innen und von außen möglich. Sie lohnt sich nicht nur bei Altbauten, sondern zum Beispiel auch bei der Abnahme eines Neubaus. So erkennst du Mängel frühzeitig und kannst sie direkt reklamieren. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich Probleme zudem meist einfacher und schneller beheben.

Übrigens kannst du mit Thermografie auch Wasserschäden und feuchte Wände aufdecken, die mittel- bis langfristig zu teuren Schäden an der Bausubstanz oder zu gesundheitsschädigendem Schimmel führen.

Fachbetriebe verlangen für den professionellen Einsatz der Thermografie meist ein paar hundert Euro. Thermodetektoren sind in der Regel deutlich günstiger und können auch von Laien genutzt werden. Bei schwerwiegenden Problemen mit Wärmeverlusten empfehlen wir dir aber, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen, um die Ursachen präzise aufzuklären und passgenaue Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Was erkennt man auf dem Wärmebild?

Die Farben der Aufnahme deuten auf kalte und warme Stellen am Haus hin. Grob gesagt: Je dunkler die Farben in Richtung Blau ausfallen, umso weniger Wärmeverluste liegen hier vor. Gelbe, orangefarbene und rötliche Stellen bedeuten potenzielle Verluste.

Ganz so leicht ist die Interpretation der Bilder allerdings nicht. Ob tatsächlich ein Wärmeverlust an einer Stelle vorliegt, kann meist nur ein Fachbetrieb mit Gewissheit sagen. Deshalb sollte die Thermografie möglichst von Experten durchgeführt werden.

Ein paar Beispiele: Rote Bereiche unter Dachüberständen, in Laibungen von Fenstern und Türen oder auch an Loggien müssen nicht immer einen Wärmeverlust bedeuten. Hier steigt Warmluft an der Fassade auf und staut sich an den markierten Stellen. Auch die falsche Beheizung des Hauses während der Messung kann das Ergebnis der Thermografie verfälschen.

Thermografieaufnahme von einem Haus

Unterhalb von Gebäudevorsprüngen kommt es häufig zu Wärmestauungen. Die roten Bereiche der Thermografie bedeuten hier oft keinen Wärmeverlust.

Auch umgekehrt können Fehler bei der Interpretation entstehen:

So erscheinen Steildächer bei der Thermografie häufig blau. Und das, obwohl sie Wärme abgeben. Auch bei vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden taucht dieses Problem auf. Eine Thermografie nur von außen ist hier nicht ausreichend. Daher untersuchen Experten das Haus immer auch von innen. Auf diese Weise werden Wärmeverluste besser aufgespürt.

Das ist bei einer Thermografie wichtig

  • Lasse die Wärmebildaufnahme immer im Winter machen. Dann ist die Heizperiode.
  • Die Temperaturdifferenz zwischen drinnen und draußen sollte etwa 12 °C bis 15 °C betragen.
  • Die Wärmebildaufnahme sollte am Vormittag gemacht werden. Später am Tag oder auch am Abend hat die Sonne das Gebäude erwärmt. Das Messergebnis wird dann ungenau.
  • Das Haus muss vor und auch während der Thermografie gleichmäßig beheizt sein.
  • Fenster dürfen eine Stunde vor und während der Aufnahme nicht geöffnet werden.

Ergänzend zur Wärmebildaufnahme ist oft auch ein sogenannter Blower-Door-Test sinnvoll.

Blower-Door-Test bei einem Neubau

Mit einem Blower-Door-Test lassen sich undichte Stellen am Haus entdecken. Das Verfahren ist allerdings recht aufwendig.

Beachte Wärmebrücken am Haus

Bei der Wärmebildaufnahme müssen unbedingt alle vier Gebäudeansichten betrachtet werden. Wichtig ist auch ein Blick auf Wärmebrücken an Vor- und Rücksprüngen des Hauses.

Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der viel Wärme aus dem Haus nach außen oder in einen anderen Raum dringt. Diese Stellen entstehen oft dort, wo verschiedene Baumaterialien aufeinander treffen. Hat ein Punkt am Gebäude eine geringere Wärmedämmung als die Fläche rundherum, entstehen ebenfalls Wärmeverluste. Hier kühlt die feuchte Raumluft schneller ab und es bildet sich leicht Schimmel.

Das solltest du nach der Thermografie tun

Hat die Wärmebildaufnahme einen Wärmeverlust am Haus aufgedeckt, solltest du handeln. Ein Energieberater kann dir sagen, welche Maßnahmen in deinem konkreten Fall sinnvoll sind. Wende dich an einen unabhängigen und staatlich anerkannten Experten.

Tipp: Auch bei der Verbraucherzentrale bekommst du eine Basis-Beratung mit Protokoll und Empfehlungen für dein Haus.

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